Die Falknerei Tinnunculus auf dem Königstuhl

Die Falknerei Tinnunculus ganz oben auf dem Königstuhl, nur ein paar Meter von der Bergstation entfernt, ist eine absolut unterschätzte Sehenswürdigkeit. Zu leicht rauscht man von der Bergbahn aus an dem schmalen, tunnelartigen Hecken-Eingang vorbei, weiter zu den Wanderwegen oder zum Märchenparadies. Und oft genug ist auch einfach geschlossen.

Eingang zur Falknerei
Eingang zur Falknerei Tinnunculus auf dem Königstuhl

Genauso ging es uns auch. Seit bald zehn Jahren leben wir bei Heidelberg und waren öfters auch mal auf dem Königsstuhl – aber nie hat es zeitlich gepasst, oder wir hatten nicht die Geduld, auf die Flugshow zu warten. Bis jetzt! Und wir können sagen: Warten lohnt sich 🙂

Wenn du nicht den nachfolgenden längeren Bericht lesen möchtest, dann springe über das Inhaltsverzeichnis am besten direkt weiter runter.

Das erwartet euch in der Falknerei Tinnunculus – Langfassung

Die Falknerei öffnet erst unmittelbar direkt vor einer Flugshow ihre Pforten. Dann steht Uwe Jacob, Falkner und Gründer der Falknerei Tinnunculus, mit einer großen Eule mit faszinierenden orangenen Augen auf dem Arm am Eingang. Mit durchdringendem Blick begrüßen sie die Besucher. Wir können kaum unsere Blicke von diesem interessanten Tier losreißen, das uns wiederum maximal gelangweilt eher ignorierte.

Eule Julian in der Falknerei Heidelberg
Eule Julian scheint sehr fotogen zu sein

Nach dem Entrichten des Eintrittspreises betreten wir auch direkt den „Innenhof“ der Falknerei. Es ist eher eine Lichtung, umstanden von höheren Büschen oder kleinen Bäumen, die keinen Blick von außen zulassen. Ein paar höhere Bäume stehen am Rand des mit Rindenmulch gestreuten Platzes. Besucher können nun auf den zahlreichen einfachen Holzbänken Platz nehmen und Uwe Jacob beginnt sofort mit der Show.

Eulen-Wissen auffrischen

Mit der Eule – bei uns war es der Eulerich Julian – begibt er sich in die Mitte und beginnt routiniert seine Show. Er beginnt damit zu erzählen, woher der Name der Falknerei, Tunninculus, stammt und wie er selbst dazu kam, sich mit Vögeln zu beschäftigen. Dann endlich erfahren wir mehr über Julian, der noch immer geduldig auf dem Lederhandschuh des Falkners sitzt und gelangweilt seine orangenenen Scheinwerferaugen über das Publikum schweifen lässt.

Eule Julian sitzt ruhig auf des Falkners Handschuh
Das alles interessiert Julian nicht 😀

Uwe Jacob befragt die Zuschauer nach ihrem Eulen-Wissen – glücklicherweise gibt es einige Streberkinder unter zehn Jahren in der ersten Reihe, die sich eifrig melden 😀 Wir lernen wieder, dass Eulen ihren Kopf um 270° wenden können, nachtaktiv sind (dass Julian da nicht müde ist zur hellen Stunde?) und lautlos fliegen können. Julian krächzt hin und wieder und breitet schließlich auch seine großen Flügel aus. Ahhhs und Ohhhs wabern durch die Zuschauerränge.

Julian breitet Flügel aus
Nun macht Julian doch ernst und zeigt seine feinen Flügel

Eule Julian fliegt! Wenn er Lust hat..

Dann kommt der Moment, in dem Julian den lautlosen Flug demonstriert. Uwe Jacob stellt sich an den äußersten Rand des Platzes und redet Julian ein wenig gut zu. Wir erfahren, dass Julian allerdings auch nicht immer Lust zu fliegen hat – da kann man dann eben nichts machen. Aber wir haben Glück – die braune Eule breitet wieder die Flügel aus und fliegt knapp über unsere Köpfe auf einen Baumstumpf am anderen Ende. Dort sitzt er dann und schaut wieder herum. Ich bin schrecklich fasziniert.

Uwe Jacob versucht dann, Julian dazu zu animieren, wieder zu ihm zurückzufliegen – aber Julian hat die Gleitschirmflieger gesehen, die weiter oben ihre Kreise drehen. Diese Riesenvögel scheinen ihn einzuschüchtern und er will nicht fliegen. Der Falkner redet ihm gut zu – „Och komm schon, Julian, flieg nochmal“ – aber nichts ist zu machen. Eule bleibt stur 😀 Also erzählt Jacob noch ein paar interessante Fakten und Anekdoten.

Eule Julian sitzt auf einem Baumstumpf
Julian mag nicht mehr fliegen

Uns wird klar: So eine Flugshow in der Falknerei ist immer auch ein wenig individuell. Es gibt kein 100-prozentig eintrainiertes Zirkus-Programm – und das finden wir auch gut. Schließlich freuen wir uns, wenn die Tiere nicht „auf Knopfdruck“ gehorchen, sondern eben auch mal sitzen bleiben, wenn sie nicht wollen. Der Falkner muss dann darauf reagieren – und damit hat Uwe Jacob viel Erfahrung. Mit trockenen Sprüchen, die den Zuschauern immer wieder Lacher entlocken, unterhält er uns und wartet dabei ab, ob Julian es sich nochmal anders überlegt.

Und das tut er dann nach einigen Minuten auch. Gnädig begibt er sich in Position, segelt dann erschreckend knapp über den Boden (und die Zuschauer) zurück und landet elegant auf Jacobs Falkner-Handschuh.

Die Stunde des Falken

Zur Belohnung gibts ein Leckerli und Julian darf schlafen gehen. Uwe Jacob kehrt nun mit einem kleinen amerikanischen Buntfalken, ich glaube, sie hieß Josi, zurück. Mit Josi zeigt er, wie man junge Falken an den Menschen und den Lederhandschuh gewöhnt – und wie man ihn letztlich mit viel Geduld dazu bringt, von einem Handschuh zu einem anderen zu fliegen.

Das demonstriert er auch gleich mit einem achtjährigen Jungen aus dem Publikum, der heute Geburtstag hat. Jacob gibt ihm einen kleinen ledernen Handschuh zum Überziehen, klemmt ihm ein kleines Stück Fleisch darauf ein – und Josi ist schneller auf den Handschuh geflattert, als wir gucken können.

Amerikanischer Buntfalke Josi
Da sitzt nun Josi, der amerikanische Buntfalke

Sieben Wochen alte Turmfalken dürfen fliegen

Danach kommen zwei sehr jungen Turmfalken auf den Plan. Sie sind erst sieben Wochen alt und Jacob berichtet, dass sie aus dem Nest gefallen und zur Aufzucht zu ihm gebracht wurden. Sie haben erst vor wenigen Tagen das Fliegen gelernt und sollen bald auch wieder ausgewildert werden.

Der erste Freiflug sei immer sehr spannend, erzählt Uwe Jacob. Man weiß nie, ob das Vöglein auch zurück kehrt. Bei diesen beiden hier sieht man, dass er sich selbst ein wenig überraschen lässt, wie die beiden Falken reagieren.

Beide fliegen nun frei über unseren Köpfen herum – der eine „Turmi“ landet auf einem Ast im Baum, der zweite fliegt hoch auf den großen Sendemast auf der Spitze des Königsstuhls. Dort sitzt er dann am Rand und schaut überheblich auf uns herab.

Keiner der beiden lässt sich mit einem Happen Fleisch wieder herablocken – wieder so ein unwägbares Element in der Show 😀 Ich glaube, es gibt auch keine feste „Stammbesetzung“ in der Show. Die beiden jungen Falken sind absolute Newcomer und sind auch bald nicht mehr da, andere Tiere verschwinden auch mal – und so variiert die Zusammensetzung des „Flugteams“.

Leider haben wir weder diese beiden Falken, noch den nachfolgenden Sakerfalken fotografiert 🙁

Eine fliegende Prinzessin

Uwe Jacob hat derweil die ausgewachsene Sakerfalkendame „Prinzessin“ geholt, die schon einiges hermacht. An ihren scharfen, großen Krallen lässt sich gut demonstrieren, warum Greifvögel eben Greifvögel heißen. Auch Prinzessin dreht nun frei ihre Runden. Sie verschwindet auch immer wieder länger aus den Augen, kommt aber trotzdem ab und zu wieder angesaust.

Uwe Jacob zeigt nun, wie ein Falke jagt. Er wirft ein Stückchen Fleisch in die Luft und der Falke fängt ihn im schnellen Flug und verschluckt es gleich am Stück. Wir erfahren, was für Beute Falken jagen können, wie die Falkenjagd funktioniert, die schon seit Jahrtausenden betrieben wird, und dass Wanderfalken über 400 km/h fliegen können und damit den Geschwindkeitsrekord des schnellsten Tieres überhaupt einhalten.

Falken sind aber nicht nur schnell, sondern können auch in der Luft „anhalten“: Im Rüttelflug flattern sie auf der Stelle, halten den Kopf ruhig und können so in Ruhe den Luftraum und Boden unter sich nach Beute absuchen.

Immer wieder schauen wir uns nach den beiden kleinen Falken um. Beide beobachten das Geschehen sicher 20 Minuten lang, ohne sich zu rühren. Der eine lässt sich schließlich auf ein wenig Getolle mit dem großen Falken in der Luft ein, während Uwe Jacob dem anderen gut zuredet, endlich vom Sendemast zu kommen. Er könnte ja mal einen Sturzflug demonstrieren – das machen die Falken aber nicht immer, wie wir erfahren. Und bei solchen Jungtieren, die noch nicht so viel Erfahrung haben, sieht das auch immer aus, als müsste man den Vogel danach vom Boden kratzen, sagt Uwe Jacob mit einem Schmunzeln.

Ein Weißkopfseeadler und seine Ausflüge

Na gut, die kommen wohl nicht mehr, meint er dann achselzuckend und holt das nächste Federvieh: Einen fünf Jahre alten Weißkopfseeadler. Der, den wir von der amerikanischen Flagge kennen. Ein Riesentier mit einer Spannweite von zweieinhalb Metern!

Uwe Jacob mit Weißkopfadler
Uwe Jacob mit Weißkopfseeadler

Der würde auch fliegen, sagt Uwe Jacob, aber leider im Moment lieber nicht. Durch den Kran auf der Baustelle auf dem Königstuhl traut sich der Adler nicht mehr herunter, wenn sich der Kran auch nur leicht bewegt. Er fliege dann ein paar Stunden oben herum und mache sich dann aus dem Staub. Dann müsse man ihm hinterherfahren – der Adler hat einen Peilsender am Bein – und auf irgendeinem Acker in Schwetzigen abholen.

Einen anderen Adler hätte er nach zehn Wochen schon mal auf Fehmarn wieder abgeholt, ein Falke dagegen wurde nur ein paar Stunden nach seinem Verschwinden in Rotterdam wiedergefunden. So kommt ein Falkner auch mal herum, berichtet dieser.

Am Ende doch noch zwei Sturzflüge

Nachdem der Adler wieder schlafen geht, ist die Show eigentlich vorbei. Die meisten Zuschauer bleiben aber sitzen – wir auch. Zu faszinierend ist es, den Vögeln zuzuschauen – die drei Falken sind immer noch irgendwo unterwegs – und Jacobs Erzählungen zuzuhören.

Und dann macht es der junge „Turmi“ schließlich doch: Wagemutig stürzt er sich von der Sendemastkante, taumelt ein wenig, fängt aber dann doch ab und landet auf dem Handschuh. Schon Wahnsinn – sieben Wochen alt und schon solche Fähigkeiten 😀 Nachdem der zweite kleine Falke nun zu Jacobs Freude seinen ersten Schwebeflug überhaupt demonstriert, landen auch der und danach Prinzessin (im Sturzflug) wieder.

Nun dürfen noch einige Kinder den Falknerhandschuh überziehen und Prinzessin tragen – bis Uwe Jacob dem Falkentragen einen Riegel vorschiebt. Er weist darauf hin, dass es dem Falken in der prallen Sonne zu heiß wird und bringt sie wieder zurück in ihre Voliere. Fragen hat er aber danach trotzdem noch beantwortet, wir wurden nicht rausgeworfen 😀

Weißkopfadler in der Heidelberger Falknerei
Nochmal der Weißkopfadler – majestätisch ist er auf jeden Fall!

Wie sieht es mit dem Tierwohl aus?

Für uns mag die Vogelshow eine tolle Attraktion sein, aber wie geht es eigentlich den Tieren dabei? Ich sage es vorweg: Ich habe keine klare Antwort gefunden.

Falken, Eulen und Adler sind bekanntermaßen keine Haustiere, sondern Wildvögel. Sie sind nicht wie Hunde und Katzen auf den Menschen bezogen, sondern würden ihm in der freien Natur eher aus dem Weg gehen.

Wir konnten auch nicht sehen, wie die Tiere genau gehalten werden. Uwe Jacob verschwand immer wieder hinter einer Hecke, um Vögel abzusetzen und andere Vögel zu holen. Aber egal, wie groß die Volieren sind – ein Wildtier gehört natürlich nicht in Gefangenschaft.

Sind Falknereien Tierquälerei?

Diese beiden Punkte müssen uns bewusst sein. Die PETA geht noch weiter und prangert bei Falknereien allgemein weitere Punkte als Tierquälerei an: Wenn mit den Vögeln, wie seit Jahrtausenden in unseren Landstrichen üblich, gejagt wird (Falkenjagd), geht das einher mit unnötigen Schmerzen für die Beutetiere. Für die Greifvögel bedeutet dieser Einsatz oft auch, dass ihnen Nahrung vorenthalten wird, damit sie sich bei der Jagd auch wirklich anstrengen. Darüber hinaus verbringen die meisten Vögel die größte Zeit ihres Lebens angebunden an einem Seil.

Ich weiß nicht, in welchem Ausmaß diese Punkte bei der Falknerei Tinnunculus zutreffen. Die Falknerei bietet aber auch an, sich um zu große Populationen von Kaninchen, Tauben und Krähen zu kümmern – durch „Bejagung mit Greifvögeln„.

Eindrücke und ein halbwegs ruhiges Gewissen

Andererseits berichtete Uwe Jacob davon, dass in seiner Falknerei auch verstoßene Jungtiere aufgezogen und später wieder ausgewildert werden – das ist wiederum etwas Gutes (denke ich).

Nach außen hin jedenfalls wirken die Tiere nicht besonders unglücklich. Ja, sie leben in Gefangenschaft – aber während der Flugshows scheinen sie große Freiheiten genießen. Und: Für manche der Vögel wäre die Alternative ein früher Tod gewesen. Ich glaube, als Vogel könnte man es schlechter treffen.

Wäre es außerdem gerecht, Falknereien zu kritisieren und gleichzeitig Fleisch, Eier und Milch zu konsumieren, die unter deutlich schlimmeren Haltungsbedingungen produziert werden? Weil die Vögel gut gepflegt aussehen, niemand mit einer Peitsche hinter ihnen steht und sie von ihrem „Wohnort“ Falknerei auch profitieren (sicheres Futter, sicherere Rückzugsorte), ist mein Gewissen damit größtenteils im Reinen.

Zusammenfassung und wichtige Infos

Der Falkner Uwe Jacob stellt dem Publikum verschiedene Greifvögel vor – vom Uhu über kleine und große Falken bis hin zum ausgewachsenen Adler. Dabei erfahren die Zuschauer einige interessante Fakten über die Vögel und ihre Lebensweise. Uwe Jacob versteht es sehr gut, die Informationen spannend und mit Humor wiederzugeben und bezieht auch das Publikum – vor allem die Kinder – stark mit ein.

Die Vögel sitzen aber nicht nur auf dem ledernen Falknerhandschuh, sondern zeigen auch ihre Flugkünste im freien Flug. Gerade die Falken legen richtig los und präsentieren eifrig Sturz- und Schwebeflüge. Der Falkner hat allerdings nur mäßigen Einfluss auf die Vögel, wenn sie frei fliegen. Meistens, aber nicht immer lassen sie sich von Uwe Jacob und einem kleinen Leckerhappen wieder anlocken – teilweise wird der auch direkt aus der Luft geschnappt.

Eine Falknerei ist kein Zirkus, deswegen tun die Tiere nicht immer, was der Mensch von ihnen will. Das müssen auch die Zuschauer erfahren. Uwe Jacob versteht es aber hervorragend, das Publikum weiter zu beschäftigen, wenn die Vögel gerade keine Lust haben und lieber von weit oben auf uns herab schauen.

Für wen ist die Falknerei Tinnunculus geeignet?

Vogel-Vorwissen ist nicht nötig und die Vögel und ihre Flugshows faszinieren Groß und Klein. Wirklich interessant wird die Show ab vielleicht 8 Jahren, wenn Kinder mit den Informationen etwas anfangen- und Freude an fliegenden Vögeln in nächster Nähe haben können.

Wir würden daher empfehlen: Geht und schaut euch die Flugshow selbst an, es ist für jeden was dabei! 😀

Öffnungszeiten und Preise


Der Eintritt zur Falknerei Tinnunculus inkl. Flugshow kostete bei uns 7 € pro Erwachsenem.


Flugshows finden von April bis Oktober statt. Während auf dem Königstuhl bis Ende 2019 noch das neue Hotel gebaut wird, allerdings nur an Wochenenden und Feiertagen. Das steht leider auch nicht auf der Website. Die Flugshows sind dann auf 11:30 und 15:30 Uhr angesetzt. Wenn du sichergehen willst, ruf am besten vorher an, die Nummer steht ebenfalls auf der gerade verlinkten Website.

Anfahrt – So kommt ihr hin



Du kannst die Falknerei auf verschiedene Weisen erreichen:

  • als steile Wanderung von Heidelberg aus
  • mit dem Bus (Infos zu den Linien auf der Website)
  • per Auto (bei schönem Wetter am Wochenende kann die Parkplatzsuche am Königstuhl schwierig sein!
  • oder am besten per Bergbahn direkt aus der Altstadt (Station Kornmarkt) heraus


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