Kurztrip nach Rom

Die spinnen, die Römer! Das haben Bommel und ich uns wirklich gedacht, als wir vom 25. bis 27. Februar 2012 zwei Tage in Rom verbracht haben. Allerdings eher die modernen Römer, nicht die aus der Antike 😀

Die Intention zu unserem kleinen Trip war einfach: seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr gehabt – zuletzt 2010 zwei Tage Berlin, ja ähem 😀 Außerdem hatte ich in diesem Semester soooo viel von Rom gehört und gelernt, dass ich alles gerne mit eigenen Augen begutachten wollte. Und last but not least: ich musste eine Hausarbeit über römische Aquädukte schreiben. Ich habe mir also mein Lieblingsaquädukt ausgesucht und das wollte ich mir in Rom genauer anschauen. Ist immer irgendwie verwirrend, über Bauwerke zu lesen, die man nie gesehen hat.

Also die Webseite der irischen Flieger gecheckt, einen günstigen Flug gebucht, dann nach Hotels gesucht und ein günstiges Hotel gefunden. Kostenpunkt für Flug und Hotel pro Person: 60 Euro, also gut im Bereich des Machbaren.

Tag 1: Aquädukte und erster Stadteindruck

Wir starteten also unsere Reise bei schönem, deutschem Nieselwetter vom Flughafen „München West“ aus (oder, auf Nicht-Ryanair-Sprache: Memmingen im Allgäu, einige Tage Fußmarsch von München entfernt, aber egal). In Rom Ciampino (der Flughafen hat tatsächlich den Namen Rom verdient, fast S-Bahn-Reichweite von der/zur Stadt ^^) begrüßte uns schönstes Wetter mit wolkenfreiem Himmel und sehr milden, jackenfreien Temperaturen.

Noch am Flughafen kauften wir uns für 30 dicke Euro pro Person den sogenannten Roma-Pass, der beliebig viele Fahrten im Nahverkehr (Flughafen Ciampino ausgeschlossen -.-) und freien Eintritt zu zwei wichtigen Sehenswürdigkeiten versprach. Ja, die Römer verlangen recht viel für den Eintritt, dafür, dass im Grunde nichts zu sehen ist als Ruinen – was es mir natürlich wert wäre. Naja, für unsere Finanzen war der Pass durchaus grenzwertig, aber wir dachten uns, dass da eben alles dabei ist und man hat seine Ruhe.

Über den Alpen, links der Gardasee
Über den Alpen, links der Gardasee

Auf den Spuren des Aquädukts

Schon aus dem Flugzeug hatte ich mein Aquädukt gesehen (wen es interessiert: die Aqua Claudia) und zu Hause hatte ich mir wohlweislich alle wichtigen Metro-Haltestellen auf der Metrokarte mit Edding markiert, um die Sucherei möglichst gering zu halten. Jedenfalls wollten wir uns als erstes mein Aquädukt außerhalb der Stadt anschauen und fuhren per Bus nach Anagnina, von wo aus dann auch die S-Bahnen fahren sollten. Sollten, aber nicht taten, denn der Roma-Pass funktionierte nicht und wir durften die heiligen Hallen der römischen Untergrundbahn nicht betreten. Ein netter Mitarbeiter, der grade Reparaturen an den Schranken ausführte, winkte uns mit seiner Zutrittskarte durch. Gut, eine Schlacht gewonnen aber noch nicht den Metrokrieg.

Wir stiegen irgendwo aus und ab hier musste ich mich auf meine Erinnerung an Google Maps verlassen, wo ich nachgeschaut hatte, wo wir hinwollten. Per Sonnenstand und Handy-Kompass navigierten wir so halbwegs in die richtige Richtung und kamen durch Gegenden, die vermutlich sonst weitgehend von Touristen unbesucht bleiben. Also ist nicht schlimm, aber ich hatte das Gefühl, dass die Einheimischen einen schon irgendwie verwirrt angucken ^^ Außerdem bekamen wir die Gelegenheit, die Eigentümlichkeiten des italienischen Straßenverkehrs zu bewundern. Da wird gehupt und überholt und gerast, dass einem ganz anders wird.

Aber egal, auf die Sonne war schon immer Verlass und auch mein Handy-GPS erfreute sich nach einigen Startschwierigkeiten eines Satelliten-Signals, und so kamen wir dahin, wo wir hinwollten und durften die Aqua Claudia bewundern, die über Jahrhunderte klares Trinkwasser nach Rom geführt hatte. Sehr episch, wie die alten Pfeiler dort noch immer mitten in der Landschaft stehen. Wasser fließt allerdings nicht mehr.

Aquäduktpfeiler
Ein alter Aquäduktpfeiler und Bommel als Größenvergleich ^^

Wir flanierten ein wenig daran entlang – eigentlich wollte ich noch eine andere Stelle sehen, an der das Aquädukt auf einer Länge von über einem Kilometer noch recht gut erhalten ist. Das wäre nicht weit gewesen, aber die Sonne näherte sich dem Horizont und wir kehrten um. Als wir wieder zu Hause waren, tat mir das Leid, wir hätten uns das ansehen müssen, und wenns im Licht der Sterne gewesen wäre 🙁

Die Metro-Odyssee

Jedenfalls, wir kehrten um und liefen den einen oder anderen Kilometer zurück in Richtung Stadt, entlag der „Via Appia Nuova“ (wer sich auskennt: das ist die neue Version der „Via Appia“, die im Jahre 312 vor Christus erbaut wurde und die erste Fernstraße der Römer darstellte: gebaut nach Süden, um eines der widerspenstigen Völker zu unterwerfen, die sich nicht ergeben wollten).

Weitere Reste eines Aquädukts
Noch mehr Aquäduktreste, allerdings ist das kein Original-Zustand mehr

Irgendwann einen Verkehrsunfall später (also die Polizisten standen noch da und die Unfallfahrzeuge mit Blechschaden, als wir vorbeidackelten), die Sonne war schon hinter den Hausdächern verschwunden – und in Rom gibt es keine Hochhäuser, wie behaglich – erreichten wir eine Metro-Station. Wir zogen erneut in die Schlacht gegen die Metro und – verloren. Ein lautes, nerviges —- määääääp —– verhinderte wieder den Zutritt zu den Bahnsteigen.

Wir ergaben uns und kauften uns Einzelfahrscheine. Um den Ärger ein für alle mal aus der Welt zu schaffen, dachten wir uns, dass wir noch am selben Tag bei einer Touristeninformation Hilfe suchen sollten, damit wir uns am nächsten nicht weiter damit herumärgern müssten.

Also auf nach Termini, dem Hauptbahnhof Roms. Oder auch „Bermuda-Dreieck“ genannt, wenn man so will. Und zwar deshalb: wir erreichten Termini, stiegen hinauf aus dem Untergrund und fanden im unteren Stockwerk des Bahnhofs so ne Einkaufsmeile UND eine Touristeninformation.

Also ran an den Speck und die Tante hinter der Scheibe auf englisch gefragt, was mit dem blöden Pass los wäre. Naja oder versucht zu fragen. Ich sagte in etwa Folgendes, also auf englisch: „Hallo, wir haben uns am Flughafen Ciampino den Roma-Pass gekauft und er funktioniert nicht, ..“ – „Ciampino? Nonono, no Ciampino, geht nicht“ – „Ich weiß ich weiß, aber er funktioniert auch HIER nicht“ – „Muss funktionieren, gehen Sie, probieren Sie“ – „Aha ok“.

Das war jetzt wenig befriedigend, aber ich sah nicht wirklich, wie man der Dame eine hilfreiche Antwort entlocken könnte, und immerhin sagte sie, dass es funktionieren muss. Also dackelten wir zur Metro runter und versuchten es. —– määäääääääp —— lautete die negative Antwort – wie zu erwarten. Also wieder hoch und zurück zur Info-Tante .. wenn sie denn dagewesen wäre. Wir liefen etwa 5x im Kreis und konnten den Info-Stand nicht mehr finden.

Wir probierten auch die Seitengässchen des unterirdischen Labyrinths, aber die Info war nicht mehr zu finden. Also hoch ins obere Stockwerk, das Hauptstockwerk, da wo die Züge fahren. Da müsste es ja wohl auch einen Info-Stand geben. Müsste, hätte, sollte… Im Sichtfeld und drumherum fanden wir nur eine Info für die italienische Bahngesellschaft, wo ausdrücklich dranstand, dass es keine Touristen-Info ist. Also nochmal runter, irgendwo hätte der Info-Stand mit der Info-Tante doch sein müssen. Ja, hätte, müsste, sollte – nix da, nicht mehr gefunden.

Gullideckel in Rom
Gullideckel in Rom, nach alter Tradition mit dem S.P.Q.R.-Schriftzug versehen (Senatus Populusque Romae -Der Senat und das Volk von Rom)

Inzwischen waren ob der gelaufenen Strecke die Beine doch geringfügig kaputt und die Motivation bewegte sich auf den Nullpunkt zu. Wir gingen wieder ins Erdgeschoss und stellten uns in die Reihe vor der Info der Bahngesellschaft. Besser dort fragen als gar nicht. Kurz bevor wir drankamen lasen wir den Hinweis darauf, dass eine Touristen-Info an Gleis 24 zu finden sei. Das zu finden war schon ne kleine Heldentat und dann war dort keine Info in Sicht. Wir liefen weiter und weiter und weiter am Gleis entlang, fast schon bis zum Mond, dann kam das Schild für eine Info in Sicht. Diese Dame dort kam besser mit uns zurecht und gab jedem von uns einen neuen schicken Roma-Pass, der funktionieren sollte.

Fast frohen Herzens und voller Hoffnung liefen wir also wieder zurück zur Erde (im übertragenden Sinne) und näherten uns der Metro. Ohne zu meckern kamen wir durch die Schranke .. Wow, andere Leute bekommen sowas sofort und wir müssen uns erstmal rumquälen und neue Tickets kaufen, bis es geht :/

Italienische Busfahrpläne – Ein Traum

Naja, es war mittlerweile komplett dunkel und etwa halb 7 bis 7 abends. Da ich mir vorher aufgeschrieben hatte, wo wir hinfahren mussten, um zum Hotel zu kommen, war es mit der Metro erstmal kein Problem. Einfach weiter zur Endhaltestelle und von dort aus mit Bus 997 oder 998 weiter.

Ja, nur wo findet sich an der Endhaltestelle die richtige Bushaltestelle? Man weiß es nicht. Wir fanden eine und dort fuhr auch der 997er Bus und ich fragte den Fahrer, ob er zu unserer Haltestelle fährt. „Nonono, sinistra sinistra, nine nine seven or nine nine eight“ sagte er und fuchtelte herum. Aha, offensichtlich falsche Bushaltestelle. Per Handy stellten wir fest, dass „sinistra“ links bedeutet und wir wechselten die Straßenseite.

Dort fanden wir 200 m weiter tatsächlich eine Bushaltestelle, auf der 998 draufstand. Wir stellten uns also hin und warteten. Die Römer haben die Eigenheit, keine Busfahrpläne auszuhängen. Irgendwann kommt eben halt ein Bus oder auch nicht. Wir vertrauten auf das Schild und .. warteten. Und warteten und warteten.. Es kamen viele Busse, aber kein 998er.

So nach 30, 40 Minuten wurden wir noch Zeuge eines weiteren Verkehrsunfalls direkt vor der Bushaltestelle. Was genau passiert ist, darüber sind wir uns nicht einig. Bommel sagt, dass ein Mofa in zwei ältere Fußgänger gefahren sei, die gerade die Straße überqueren wollten. Ich meine, dass das Mofa mit zwei älteren Leutchen drauf irgendwie ein Auto rammte – jedenfalls schlitterte das Mofa funkensprühend über die Straße, der alte Mann lag auf dem Rücken auf der Straße und rührte sich nicht und seine Begleitung brach in lautes Wehklagen aus.

Wir wussten nicht, was wir machen können – der Landessprache nicht mächtig und der Notrufnummer unkundig blieben wir einfach stehen. Es gab sowieso genug Leute, die gleich hinrannten, den Notruf absetzten und den Straßenverkehr regelten, denn der Mann blieb erstmal liegen, obwohl er wieder aufgewacht war. Nach einigen Minuten kam irgendein Sicherheitswagen und ein Krankenwagen.

Weitere 10 Minuten später und ohne erkennbare Fortschritte fuhr der Krankenwagen wieder ab, ein Polizeiwagen kam und anschließend der Krankenwagen eines anderen Krankenhauses. Der Mann wurde von der Straße aufgelesen und in den Krankenwagen gepackt, er hatte schon wieder rege gestikuliert, also scheint er wohl mit dem Schrecken davon gekommen zu sein.

Hotelzimmer
Bommel im Hotelzimmer

Jedenfalls, das Chaos auf der Straße war behoben, aber unser Bus war noch immer nicht gekommen. Es bewegte sich dann so langsam auf halb 9 zu, als wir der Haltestelle den Rücken kehrten und langsam verzweifelten und nicht wussten, wie wir zum Hotel kommen sollten. Wir überquerten irgendeine willkürliche Straße an unserer Metro-Station und sahen den Bus 997 an uns vorbeifahren.

Wtf, dachten wir und sahen, wie er 50m weiter an einer anderen Haltestelle anhielt – noch weiter sinistra als wir dachten. Wir nahmen die Hufe in die Hand, galoppierten los und erreichten endlich den Bus. Ab jetzt war es ein Kinderspiel, von der Haltestelle aus waren es noch 10 Minuten zu Fuß, aber das rettende Hotel war nicht schwer zu finden. Uns erwartete ein freundlicher Empfangsmann mit Rollkragenpullover und Krawatte (…..?), der uns den Zimmerschlüssel gab und uns ins Paradies entließ.

Wir bekamen ein schönes Zimmer, das zwar hellhörig war, aber sauber und stilvoll eingerichtet. Ein Traum <3 Gegen halb 11, nachdem wir nochmal über alles gelacht haben, was so passiert ist, machten wir das Licht aus und schliefen überraschend gut für ein fremdes Bett.

Tag 2: Must-Sees in der Altstadt

Heute sollte der eigentliche, richtige Rom-Tag werden, es war auch der einzige Tag, den wir komplett zur Verfügung hatten.

Fotos im Bad ..

Gut erholt wachten wir relativ früh vom Wecker geweckt auf und bekamen ein recht ordentliches Frühstück, das im niedrigen Hotelpreis von 30€ pro Nacht im Doppelzimmer schon mit dabei war.

Anschließend ging es wieder zur Bushaltestelle, unterwegs stellten wir fest, dass trotz Sonntag viele Läden offen hatten. An der Bushaltestelle erfreuten wir uns wieder an den fehlenden Busplänen und durften eine halbe Stunde dumm rumstehen. Zum Glück war das Wetter frühlingsblau-lau 😀

Wieder ein Aquädukt entlang, und warum lassen sich Batterien eigentlich nicht laden?

Porta San Giovanni
Porta San Giovanni – Stadttor in der aurelianischen Stadtmauer

Auf dem großzügigen Programm stand heute erstmal die Porta Maggiore, ein ehemaliges Stadttor in der aurelianischen Stadtmauer von 271 n.Chr., über das vor 2000 Jahren 2 Wasserleitungen drübergeleitet wurden.

Von hier aus zweigte ein weiteres Aquädukt ab, erbaut unter Kaiser Nero und daher Arcus Neroniani benannt, über das meine Hausarbeit im Wesentlichen handeln sollte. Da noch einiges davon steht und zu sehen ist, wollten wir das in seiner gesamten Länge von der Porta Maggiore aus bis zum Palatin ablaufen, das waren ca 2,5 km. Das taten wir auch, und für mich war das ziemlich hilfreich, denn es ist einfacher, über was zu schreiben, was man auch mal gesehen hat, anstatt nur selbst immer nur drüber zu lesen.

Gegen Ende des Aquädukts ließen mich meine Kamera-Batterien im Stich und ich war heftig am Fluchen. Da geht man nach Rom und alle Batterie-Sätze fallen aus. Ja gut, eigentlich Akkus, die ich extra vorher nochmal geladen hatte. Aber um ganz genau zu sein: eigentlich doch Batterien, die ich für Akkus gehalten hatte und die sich einen Dreck darum scherten ob ich sie laden wollte oder nicht .. 😀

Jedenfalls, nachdem ich für teuer Geld bei einem Touristen-Ausräuber vor dem Kolosseum (eigentlich: Flavisches Amphitheater, wir wollen ja bei den Fakten bleiben ^^) neue Batterien gekauft hatte, ging alles wieder. Große Erleichterung.

Zum Palatin – Platz der Kaiserpaläste

Da an diesem schönen, sonnigen Tag (leider?) gar nichts schiefging, lässt sich auch kaum was Interessantes drüber sagen: wir schlenderten vor dem Koloss .. Flavischen Amphitheater herum, wurden von weiteren Touristen-Ausräubern angequatscht und zwar nicht zu knapp, und erfreuten uns des Konstantinsbogen, der zu Ehren von Kaiser Konstantin errichtet worden ist.

Konstantinsbogen
Der Konstantinsbogen

Dessen große Tat war es, seinen Gegenspieler Maxentius, der sich unrechtmäßig zum Kaiser hatte ausrufen lassen, umzubringen und sich den Thron selber unrechtmäßig anzueignen. Er wurde später verherrlicht, weil es hieß, dass er das Christentum zur Staatsreligion gemacht habe, was gar nicht stimmte. Er hatte nur gesagt, dass man die Christen tolerieren möge und offensichtlich hat er sich am Ende seines Lebens auf dem Sterbebett (besser spät als nie) auch taufen lassen. Naja, lassen wir das. Ich bin nicht so begeistert von diesem Typen.

Alsdann betraten wir das Archäologische Ausgrabungsgelände des Palatins, wo sich anno dazumal die kaiserlichen Residenzen befunden haben und wo heute eben eher weniger zu sehen ist, jedenfalls nicht für das touristische Auge.

Direkt anschließend ging es am Titus-Bogen zu Ehren von – Überraschung! – Kaiser Titus vorbei. Hier stellten die Römer im Tordurchgang stolz ein Relief zur Schau, wie sie den Tempelschatz von Jerusalem nach Unterwerfung der Juden wegschafften und nach Rom brachten. Damit wurde dann übrigens unter anderem das Koloss… Flavische Amphitheater gebaut.

Hier am Titus-Bogen begegnete uns auch der wahre Imperator Roms, zu sehen im Bild. Habe selten so eine majestätische Katze gesehen. Ich wette, dass das die Inkarnation Caesars war.

Den Titusbogen und .. jenes Amphitheater im Rücken bewegten wir uns langsam über das Forum Romanum, so eine Art Marktplatz im antiken Rom, wo das Leben summte und brummte. Ja oder eben sich aussummte, wie z.B. Caesar, der hier auf den Stufen zum Senat ermordet worden ist.

Obwohl nicht mehr sehr viel in der Senkrechten steht, und wenn, dann wurde es entweder im letzten Jahrhundert wieder aufgestellt oder es wurde schon vor 1,5 Jahrtausenden zur Kirche umfunktioniert und dadurch erhalten – ach ich schweife ab – … das Forum fand ich ziemlich beeindruckend. Wenn man durch die Trümmer läuft, ist es natürlich schwer, sich das Forum vorzustellen, wie es früher einmal ausgesehen hat. Ich hätte einiges um einen kurzen Zeitsprung gegeben.

Trotzdem: die Menge an behauenem Marmor, meist Säulenschäfte, Kapitelle oder Gebälkteile, die herumlagen und für jeden anfassbar waren, war enorm. Und an den riesig hohen Gewölben der Maxentius-Basilika (ja, DER Maxentius mit dem Konstantin), die zum Teil noch stehen, bekam man doch einen Eindruck, wie fortgeschritten die Römer vor 2000 Jahren schon in ihrer Baukunst waren.

Auch am deklarierten Feindesland kamen wir vorbei. Die Römer definierten einfach ein kleines Stück Boden neben irgendeinem Tempel als „Feindesland“, und wenn sie wieder einmal einen Krieg anfangen wollten, stießen sie eine Lanze in dieses Feindesland, was quasi einer offiziellen Kriegserklärung gleichkam. Durchaus praktisch.

Wir liefen also einmal quer übers Forum, durch das Herz Roms sozusagen und verließen die Ausgrabungsstätte am Septimus-Severus-Bogen, der zu Ehren von – ja? ja! – Kaiser Septimus Severus (und seinen Söhnen) errichtet worden ist.

Da in Rom erfreulicherweise fast alles, was (für mich) interessant ist, so dicht beisammen liegt, konnten wir uns auch noch die Traianssäule anschauen: eine riesige Säule zu Ehren von – ach Gott, das wird langweilig – Kaiser Traian, der 100 n. Chr. einige Erfolge gegen verschiedene Barbaren verbuchen konnte und das römische Reich zu seiner größten Ausdehnung gebracht hatte. Jedenfalls: die Säule ist deswegen faszinierend, weil sie voll mit Reliefs ist, die vor allem militärische Szenen zeigen und von denen man viel über das Leben der Soldaten, z.B. auch am Limes in Germanien, erfahren kann.

Gegenüber der Traianssäule an so einem großen Platz steht ein weiteres riesiges Monument, allerdings hoffnungslos unantik, irgendwann ~1850 erbaut, als Denkmal dafür, dass Italien ein Königreich geworden ist. Sieht toll aus, ganz in weiß und mit klassischer Ornamentik und einem Reiterstandbild, das so in Richtung Wilhelm II bei uns geht (auch wenn das vor dessen Zeit war), also eigentlich gar nicht sooo gut zusammenpassend.

Um das zu krönen steht am oberen Absatz des ziemlich breiten Treppenaufgangs eine ordentlich übermenschlich große Statue der Athena (Minerva), in ihrer Form der Darstellung durchaus auffällig viel abkupfert von der Athena Parthenos, die weit vor Christus in Athen auf der Akropolis aufgestellt war. Nur dass die vergoldet war und dieses Plagiat hier nicht, UND das Plagiat ist spiegelverkehrt. 😀

Italienisches Nationaldenkmal
Das Nationaldenmal oder was das da ist, in der Mitte unter der Reiterstatue die plagiatisierte Athena 😀

Als nächstes bahnten wir uns den Weg durch die Altstadt (oha, Definitionsschwierigkeiten, was ist in Rom die Altstadt? .. Egal :D) zum Pantheon. Das ist heute eine katholische Kirche, deren Namen ich vergessen habe. Das Gebäude wurde aber in der Antike gebaut und ist eines der am besten erhaltenen antiken Gebäude in Rom.

Ganz und gar unruiniert – der Kirche sei Dank. Früher stellte das Pantheon einen Tempel dar, der „allen Göttern“ geweiht war und das Gebäude hatte über beinahe zwei Jahrtausende die größte Kuppel der Welt. Die Kuppel ist noch da, aber inzwischen gibt es eben größere ^^

Da waren wir also drin, und weil für Kirchen der Eintritt offensichtlich kostenlos ist, kamen wir dort sogar gratis rein. Es war sehr voll, aber die Größe der Kuppel beeindruckte tatsächlich, dazu die richtig klotzige Verwendung von Marmor überall – also sehr edel.

Ein Abend in Rom

Der Tag neigte sich dem Ende zu und wir hatten im Grunde unser Programm abgehakt. Nun galt es noch, ein Restaurant für Pizza und Rotwein zu finden, was nicht allzu schwer war. Das Restaurant war zwar nicht sooooo urig und toll und ich hatte auch schon bessere Pizzas in Italien, aber egal, der Wein war toll und die Pizza auch.

Pizzareste
Satt geworden!

Danach war es dann definitiv dunkel und wir auch definitiv ziemlich kaputt (ich habe hinterher auf Google Maps geschaut wie weit wir gelaufen sind an dem Tag: ~14 km), also navigierten wir auf die nächste Metrostation zu, die allerdings einen guten Kilometer entfernt lag.

Zufällig (naja fast zufällig) kamen wir noch an der Engelsburg vorbei: die Engelsburg ist eine Burg zu Ehren von .. FALSCH 😛 Es ist das Mausoleum für Kaiser Hadrian, also im Grunde ein Grabmonument, in dem er und seine Familie begraben worden sind. Hadrian hat unter anderem das Pantheon so erbaut wie es heute zu sehen ist und in Nordengland hat er den Hadrianswall gebaut, um die schrecklichen Wilden aus dem Norden davon abzuhalten, in den kultivierten Süden vorzudringen.

Engelsburg bzw. Hadriansmonument
Die heutige Engelsburg und davor der Tiber

Jedenfalls, die Engelsburg ist das Grabmonument von Hadrian, irgendein Papst erkannte aber einige Jahrhunderte später, dass man dieses Ding auch in eine Fluchtburg umwandeln könnte, also wurden weitere Mauern aufgestellt, ein Graben drumrumgezogen und ein Engel oben draufgestellt.

Nachdem wir da drumherum gelaufen waren, waren wir endgültig müde und kaputt und steuerten direkt auf die nächste Metrostation zu, inzwischen hatte es auch zu nieseln begonnen. Über den restlichen Verlauf des Abends weiß ich nichts mehr, wir waren am Ende nur noch froh, wieder im Hotel zu sein und pennen zu können ^^

Blick über den Tiber zum Vatikan
Blick über den Tiber zum Vatikan

Tag 3: Rückreise nach Deutschland

Frühstücken, packen und ab zu Ciampino, allerdings nicht ohne am Ende nochmal 1,20 € für das blöde Ticket abzudrücken, weil ja der Roma-Pass nur bis kurz VOR den Flughafen reicht.
Wir hatten einen wunderbaren Flug über die Alpen, komplett wolkenlos, und teilweise flogen wir so tief über die Berge, dass ich mir schon fast Sorgen machte ^^

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